Malle-Radcamp 2026

Von Mandelkuchen und Problemen mit dem Mantel

Wieder ein Radcamp der Gaibiker auf Malle? Das letzte Radcamp 2025 war kaum vorbei, da stellte wieder einer der unersättlichen Radfahrer der Gaiberger Radgruppe „Gaibiker“ die rein rhetorische Frage nach einer Wiederholung in 2026. Mit zunehmendem Alter werden Entscheidungen ja immer schwerer und dauern gewöhnlich immer länger. Nicht so bei den Gaibikern. Quasi in Stundenfrist war man sich einig – nicht etwa über die Tatsache an sich, sondern auch über Ort und Zeitraum. Die erste Maiwoche sollte es wieder sein und möglichst auch wieder in Can Picafort im Nordosten der von allen Deutschen heiß begehrten Urlaubsinsel Mallorca.

Wer einen ruhigen, beschaulichen Ort sucht, arm an Verkehr und ohne Radfahrer, die zwar weitgehend geräuschlos, aber verschwitzt mit leicht angestrengtem Gesichtsausdruck gerne im 10-er oder 20-er Peloton die Straßen entlang heizen – ganz zur Freude der vereinzelten Fußgänger oder Wanderer – der ist in der Bucht von Alcúdia und Can Picafort völlig falsch. Im Mai gehören die Straßen auf „Malle“ den Zweiradfahrern mit und ohne „E“. In den kleinen Städtchen wie Petra, berühmt für einen einzigartigen Mandelkuchen, reihen sich die Cafés dicht an dicht und davor – brav aufgereiht auf Metall-Gestellen, wie man sie von den Wechselzonen des Triathlons kennt – die Rennräder. Jedes einige Tausend Euro wert, blitzen und funkeln die Alu- und Carbon-Racer in der Sonne, während besagter Mandelkuchen mit Cappuccino zu erstaunlich zivilen Preisen für den Kalorienausgleich sorgen. „Rezept von meiner Oma“, sagt der füllige Mallorquiner in akzentfreiem Deutsch, der sich im Laufe des Nachmittags als begnadeter Musiker entpuppt. Gesangsstudium in Hamburg – und gleich gibt’s am nur leicht verstimmten Yamaha-Flügel eine Kostprobe. So lässt sich der Nachmittag auch verbringen, während draußen wieder eines der im Mai häufigen Gewitter tobt.

Doch die Uhr tickt und das Gaibiker-Peloton macht sich wieder auf nach Norden. Die Gaibiker – das sind dieses Mal zwölf leidenschaftliche Rennradfahrerinnen und -fahrer aus Gaiberg und Umgebung, zwischen 50 und 70 Jahre alt und in ganz unterschiedlichen Leistungsklassen. Und so startet man die Radrunden oft gemeinsam, trennt sich irgendwann, damit die Ambitionierten noch schnell die wahnwitzige Ab- und Auffahrt von Sa Calobra mitnehmen und triff sich wieder zu einem – richtig! – Mandelkuchen oder zum 2-Euro-Feierabendbier an der Strandpromenade von Can Picafort. Auf diese Weise erschließen die zehn Männer und zwei Frauen den ganzen Nordosten der Insel – vom grandiosen Ausblick von Cap Formentor, über Pollenca bis zum Kloster Lluc und seiner schwarzen Madonna. Im Künstlerstädtchen Artà erwächst dem Mandelkuchen inzwischen durch einen Apfelkuchen in der deutschen Bäckerei ernsthafte Konkurrenz, und die Eremitage von Betlem ist ein einsames Kleinod mit wunderbarer Akustik, die wir sangesstark gerne testen. Durch die bunte Vielfalt von Mohn- und Margeritenfeldern erschließen wir auf – tatsächlich einsamen (!) – Feldwegen die Städtchen Sa Pobla, Muro oder Sineu. Es wird nie langweilig, der Wind nimmt meist Rücksicht und die Temperaturen sind frühlingshaft moderat.

Nur wenn sich die nachmittäglichen Gewitterwolken entladen, wird es Zeit für die nächste Reifenpanne. Matthias war und ist der unangefochtene Pannenkönig. So zeigt sich der wahre Radprofi, wenn er auch im strömenden Regen den Schlauch wechselt und den Mantel nach Dornen absucht. Gemeinsam erfolglos wird zwar der Schlauch gewechselt, aber das Ganze ist wenig nachhaltig. Beim vierten Plattfuß hilft nur noch Schulterzucken. Letztlich konnten derlei Kleinigkeiten der guten Laune keinen Abbruch tun, schließlich ist niemand vom Rad gefallen oder wurde von einem der unzähligen Pelotons aus ganz Europa überrollt.

Radcamp auf Malle 2027? Aber sicher.

Die Planungen laufen schon.

 Wer bei den Gaibikern mitrollen möchte (auch MTB !!), kann sich gerne beim TSV Gaiberg, Abt. Radsport (www.tsv-gaiberg.de, Kontakt: Gerold Müller, T. 0170 7644167) melden.

Martin Boeckh


„Die Braunen beim Ausritt“ (v.r.): Thomas der Jüngere, Matthias, Matthias der Pannenkönig, Maurus der ‚Senior Towel Manager‘, Christine, Thomas der Ältere und ‚Spiritus Rector‘, Thomas der Mittlere und ‚DJ DosMas‘, Gerold, Marco, Albert und Martin der ‚Senior President‘. Brigitte und Manfred waren zu schnell für das Foto.

Foto: M. Boeckh


Wer sein Fahrrad liebt, der flickt es auch. Gerne auch bei Regen, Wind und Wetter.

Foto: M. Boeckh